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Klentze-Präludium
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Klentze - Präludium
Rezension
JazzPodium 2005-05
Wenn ein Stück, sogar das erste auf einer DVD, „Bremsflüssigkeit" heißt, dann kann das nur von Thorsten Klentze sein, und dann ahnt man auch schon, wo's lang geht-jedenfalls nicht in die ausgelatschten Gefilde totgepflegter Konventionen. Das gilt, auch wenn des rheinischen Gitarristen DVD-Debüt den Titel „Präludium" trägt. Aber so heißt eben ein Stück - ungenauer: „Thema über Präludium". Zweimal sogar macht das Thorsten Klentze Quintett - mit Roger Jannotta, ts, ss, b-cl, fl, Jost Hocker, cello, Marika Falk, perc, und dem großen Charlie Mariano mit seinem ulkigerweise immer wieder von modernistischen Gitarristen verehrten Horn - dem Thomaskantor seine Aufwartung, noch mit der von Jannotta frisierten „Sarabande", dem alten Schlachtschiff der Hochzeit von Play Bach und Baroque Jazz Ensemble. Wer die noch im Ohr hat, wird sofort wissen, was Klentze & Band nun aber doch ganz anders angehen. Und überhaupt: Die beiden BachKotaus sind ja gar nicht die kulturtragenden Elemente dieses Live-Mitschnitts aus Werne vom Oktober 2003. Dazu ist keiner hier Opportunist genug. Jannotta auch nicht. Der hat immerhin für die Münchener Kammerspiele für „Faust", „King Lear" und den „Sturm" komponiert; Cellist Hocker hat Lorbeer geerntet bei Konstantin Wecker und Mercedes Sosa und vor allem mit dem Modern String Quartet. Und auch die Ungarin Marika Falk trommelt weltläufig multikulturell in nicht gerade tutigen Gruppen. Na ja, und Mariano... Was da also mehr als eine Stunde lang abläuft, ist vor allem eine energiereiche, nicht unbedingt akademischaseptische Wiedererweckung des 1995er, noch ohne Jannotta entstandenen, Albums „Tigrib", Thorstens Durchbruch. „Kopflastig und dennoch gefühlvoll" sei seine „Kompositionsarbeit", wand sich vor dieser Musik die SZ. Kollege Schaal flocht dem Gitarristen gar „visionäre Linien" ins Saitenspiel. Und an der schönen blauen Donau schrieb einer: „Dezent, leise aber bestimmt treibt Klentze seinen Nonkonformismus voran." Ein anderer fand gar, dass Thorsten „das europäische Prinzip im Jazz" herausgepfriemelt habe. Er befände sich „auf Spurensuche... nutzt Klassik und östliche Rhythmen, Improvisation und streng kompositorische Maßstäbe." Und Klaus Mümpfer wand ihm den ultimativen Kranz: Er zupfe „mit der Abgeklärtheit eines Jim Hall und der Innovationskraft eines Philip Catherine..." Aber das mit dem „Nonkonformismus", das stimmt ja. Und so ist diese MusikStunde aus Werne tatsächlich ein spannendes Unternehmen mit Ecken und Kanten, dessen Vorzüge oft im harmonischen Detail verborgen, oft genug aber auch in der Interaktion unüberhörbar sind. Der Elder States man des Jazz Mariano ebenso wie Jannotta und die anderen, sie sind halt aus ganz ähnlichem Holz geschnitzt wie dieser markante, leichthändigunbequeme Röder-Spieler, der insbesondere mit diesem Quintett tatsächlich auf so etwas zusteuert, das vielleicht eines Tages tatsächlich mal als „Weltmusik" verstanden werden könnte. Und das ist ja nun wirklich nicht gerade wenig.
Alexander Schmitz
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