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Steffan, Sebastian - Look at the Doorkeeper

Sebastian Steffan Trio - Look at the Doorkeeper

Rezensionen

Thorsten Meyer (Jazzpodium)
„Neue Erkenntnis„ heißt das erste Stück der Debüt-CD des Pianisten Sebastian Steffan. Die erste und wichtigste ist, dass hier ein junger Musiker kompromisslos seinen eigenen Weg geht. Es ist nicht die x-te neue Pianotrio-CD. Hier hat jemand wirklich etwas Eigenes zu bieten.
Für sein Trio verwebt Steffan die straighten melodischen und rhythmischen Ideen sehr vielmaschig miteinander. Klassische Songstrukturen versucht er zu vermeiden. Seine Stücke sind Miniatursuiten in denen die verschiedenartigsten Ideen miteinander verbunden werden bzw. sich überlagern. Die Musik lebt von den Kontrasten zwischen harten und aggressiven Passagen sowie impressionistischen Klangmalereien – und der unerschöpflichen Klangwelt zwischen diesen Polen. Steffan behält dabei die gestalterischen Zügel in der Hand, lässt seine Kollegen aber an der langen Leine. So entsteht ein sehr dichter Triosound, der zu einem lebenden Organismus wird. Man atmet gemeinsam, verändert den Puls gemeinsam, swingt gemeinsam, bricht gemeinsam in verschiedenste Richtungen aus.
Sebastian Steffan geht seinen Weg dies- und jenseits des Mainstream konsequent und zielstrebig. Auch in diesen Zeiten von Tonträgerschwemme und Young German Jazz sind derart abgeklärte Kompositionen auf einer Debüt-CD selten zu hören.

Andreas W. Fieseler (musikansich.de)
...Extravagant sind die Titel durch die Bank. Aber eben nicht abgehoben in selbst verliebte Sphären. Jazzig, ganz nah am Ursprung, dennoch sehr modern komponiert und gespielt. Dass das funktioniert ist keine ganz so „Neue Erkenntnis„, auch wenn gleichnamiger Titel dies suggerieren möchte. Beeindruckt hat mich hier die musikalische Leichtigkeit, mit der die Töne aus den Lautsprechern perlen. Dennoch zwingt der Titel zur Aufmerksamkeit, damit die kompositorischen Finessen nicht verloren gehen. „Borderline„ entwickelte sich in meinen Ohren zu einem kleinen zwischeninstrumentalen Duell, bei dem das Schlagzeug den Ton angeben möchte, sofort vom Piano zur Ordnung gerufen wird, und der Bass eher unbeteiligt seinen „Senf„ dazu gibt. Lassen wir es mal dahingestellt, ob Sebastian Steffan ähnliche Gedanken zur Komposition bewegt haben!? „Wieder frei„ suggeriert mir nachdenkliche Minuten auf einer schönen Sommerwiese. And so on. Kein Titel auf der CD, den ich einfach nur „runterhören„ kann und möchte. Interessante Wechsel zwischen Exzentrizität, Harmonie, Lebhaftigkeit und Eleganz machen das Hören zum Erlebnis. Einen großen Anteil an der Perfektion der Aufnahmen sind der Technik zuzuschreiben, die die Instrumente zwar klar ortbar und dennoch frei im Raum schwebend abgemischt hat. Fazit: Eine CD, die es verdient hat zelebriert zu werden (…) Schön, dass Avantgarde so genießbar sein kann...
Prädikat: sehr Empfehlenswert

Hannoversche Allgemeine Zeitung
...offener, moderner Jazz fernab durchkalkulierter, starrer Abläufe!

Bernd Schwope (Prinz)
...spielt geschickt wie raffiniert mit den Parametern der modernen
Piano-Trio-Jazz-Kunst zwischen e.s.t und Herbie Hancock...



Pressespiegel

JAZZPODIUM:

Sebastian Steffan - Trio wider die Pianistenkrankheit

Schon wieder ein Klaviertrio? Sebastian Steffan lacht, wenn man ihn darauf anspricht: „Das ist glaube ich so eine Pianistenkrankheit. Ich habe es auch schon einmal mit einem Quartett versucht, aber das Spontane, was mir eben wichtig ist, ist im Trio leichter umzusetzen.„
Die Debüt-CD des 27jährigen Pianisten („Look at the Doorkeeper„, Konnex) zeigt, wie er dies meint: Schlanke, facettenreiche Kompositionen werden im Trio flexibel und variantenreich ausgestaltet. Die Stücke sind kleine Suiten, in denen hinter jeder Ecke neue Ideen lauern können und es einem Zuhörer eigentlich nicht langweilig werden kann: „Die eigentliche Komposition, die ich zu Hause mache, macht vielleicht 30% aus. Den Formcharakter und alles, was dem Stück seine Richtung gibt, überlege ich mir vorher. Aber alles andere entsteht im Zusammenspiel mit den anderen beiden. Im Titelstück zum Beispiel haben wir nur das Thema, das am Anfang und am Ende einmal gespielt wird, dazwischen ist nichts vorgegeben. Vielleicht nur, dass es irgendwann in einen Swing-Groove wechselt, dann noch einen rockig angehauchten Groove, der irgendwann aus der Improvisation heraus entsteht. Manches entwickelt sich natürlich im Laufe der Zeit und bleibt.„
Seit 2003 hat Steffan sein Trio, seit 2005 besteht dies aus Martin Stieber am Schlagzeug und Andreas Edelmann am Bass. Mit ihnen hat er zwei Mitmusiker gefunden, die die Kompositionen anzureichern verstehen und den Pianisten auf neue Ideen bringen: „Ich kann von den anderen so viel zurückkriegen, gerade wenn ich nicht so gut drauf bin. Sie haben dann Ideen und fangen mich auf. Komplett einen ganzen Abend solo, das wäre momentan nichts für mich. Da würde ich mich sehr alleine fühlen. Manche spielen solo, weil sie die Konflikte in Bands umgehen wollen. Das mag ok. sein, aber ich brauche die Energie der anderen.„
Kennen gelernt hat man sich an der HMT Hannover, wo Sebastian Steffan bei Jens Thomas und Bernd Homann studierte. Für den gebürtigen Bremervörder war das Hochschulstudium eine Umstellung, denn Steffan hatte sich seine Jazzkenntnisse bis dato weitgehend autodidaktisch angeeignet: „Zu Anfang hatte ich eigentlich nichts. Keine CDs, keine Platten, nur ein Radio, mit dem ich so mit 11 oder 12 angefangen habe Jazz zu hören. Warum weiß ich gar nicht, aber was ich da auf NDR Info und so gehört habe, hat mich fasziniert. Ich habe damals schon Klavier gespielt, allerdings autodidaktisch. Klassik habe ich auch gespielt, aber nicht viel. Ich bin dann relativ schnell zur improvisierten Musik gekommen. Ich würde jetzt nicht sagen, dass das schon Jazz war, was ich da gemacht habe. Meine ersten wichtigen Einflüsse waren da Keith Jarrett, Jacky Terrasson, John Coltrane. Irgendwann kam ich dann nicht darum herum, mich auch für Harmonielehre zu interessieren. Mit 15 oder 16 hatte ich dann darüber meinen ersten Jazzlehrer – Jan-Hendrik Ehlers aus Bremerhaven – gefunden. Ab dann hatte ich auch diverse Bands. Vieles habe ich mir spielerisch beigebracht. Viel try-and-error.„
Mit Jens Thomas hatte er an der Hochschule eine verwandte Seele als Hochschullehrer: „Zum einen hat er mir eine enorme Bestätigung gegeben, für das was ich bis dahin gemacht hatte. Er ist ja auch eher ein Freigeist. Er hat mir mal gesagt: „Wir sind uns fast zu ähnlich„, und er hat da nicht Unrecht. Was ich mache kommt nicht unbedingt von ihm, aber hat mich sehr bestärkt.„
Bestärkung auf seinem kreativen Weg erhielt Sebastian Steffan auch dadurch, dass er seine erste CD bei einem bekannten Jazzlabel – Konnex – unterbringen konnte, für einen Newcomer durchaus keine Selbstverständlichkeit, und auch für Steffan ein beschwerlicher Weg: „Wir haben zahlreiche Labels angeschrieben, aber die Konditionen – gerade für Newcomer – sind teilweise reine Abzocke. Da hatten wir bei Konnex echt Glück. Die Labels verdienen an so einer CD ja auch nicht viel. Die CDs verkaufst du auf Konzerten. Ein eigenes Label frisst dir auch die Zeit auf. Ich komme jetzt durch das Booking schon kaum noch zum üben. Wie soll das dann erst mit einem eigenen Label werden? Das hältst du nur mit 30 Kannen Kaffee durch (lacht).„
Als Posaunenfreigeist Nils Wogram das Sebastian Steffan Trio auf einem Workshop hörte verleitete ihn die Musik zum dem Ausspruch „Endlich mal wieder ein Trio, das wirklich Jazz spielt.„ Wer Jazz nicht als museale Grabpflege sondern als ideenreichen Umgang mit dem musikalischen Jetzt versteht, sollte sich von keinem puristischen Türsteher abwimmeln lassen. Zwischen e.s.t. und dem Keith Jarrett Trio ist viel Platz. Sebastian Steffan hat gerade erst angefangen, sich dieses Territorium zu erschließen, und mit „Look at the Doorkeeper„ einen ersten beachtlichem Claim abgesteckt.Thorsten Meyer



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